Hidden Champion und Global Player zugleich

Seit über 90 Jahren entwickelt und produziert die Bilz GmbH & Co. KG aus Ostfildern Qualitätswerkzeuge im Bereich Spanntechnik

© Bilz Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG
Bilz Werkzeugspannsysteme werden in einer Vielzahl von Anwendungen und auf nahezu jedem Maschinentyp eingesetzt
+1
© Bilz Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG
Kaum ein Motorbock wird hergestellt, ohne dass ein Werkzeug von Bilz daran beteiligt ist

Die Bilz Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG aus Ostfildern ist ein weltweit führender Hersteller von Spannwerkzeugen für Gewindeschneid- und Höchstleistungswerkzeuge. Das Familienunternehmen entwickelte sich zu einem zuverlässigen Innovationspartner der Automobilindustrie, der Werkzeugmaschinenbranche, der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Medizintechnik. Heute werden Bilz Werkzeugspannsysteme in einer Vielzahl von Anwendungen und auf nahezu jedem Maschinentyp eingesetzt. 350 Mitarbeiter in Europa und Asien entwickeln und produzieren innovative Lösungen für Kunden in 34 Ländern.

Auf der ganzen Welt schwören Hersteller von Motorblöcken auf die Werkzeugspannsysteme der Bilz Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG aus Ostfildern in der Region Stuttgart. In unmittelbarer Nähe von Daimler und Porsche hat sich das Familienunternehmen seit bald 100 Jahren auf Qualitätsspannmittel spezialisiert und sich zum zuverlässigen Innovationspartner der Automobilindustrie und der Werkzeugmaschinenbranche entwickelt. Kaum ein Motorbock wird hergestellt, ohne dass ein Werkzeug von Bilz daran beteiligt ist. Ihr Ruf als international aufgestellter „Hidden Champion“ aus dem Mittelstand, eilt den Filderstädtern voraus – heute gilt Bilz als weltweit führender Hersteller von Spannwerkzeugen für Gewindeschneid- und Höchstleistungswerkzeuge und ist insofern eigentlich längst nicht mehr „hidden“. „Unseren Erfolg verdanken wir der kontinuierlichen und konsequenten Neu- und Weiterentwicklung unserer Produkte sowie dem Gespür für Innovationen und die Anforderungen der Kunden“, erklärt Geschäftsführer Michael Voss.

Aus der Kellerwerkstatt in die ganze Welt

Gegründet wurde das Unternehmen 1919 von Hermann Bilz. In der kleinen Kellerwerkstatt in Nellingen bei Esslingen gab es eine Drehbank und eine Fräsmaschine; zunächst wurde sie ausschließlich als Lohnwerkstatt für Metallprodukte betrieben. Hermann Bilz’ Sohn Otto gelang 1950 mit der Erfindung des Schnellwechselfutters für Mehrspindler- und Transferstraßen der große Durchbruch. Mit Hilfe seiner Frau, die englisch sprach, wagte Otto Bilz den Sprung auf den nordamerikanischen Kontinent. Die Zusammenarbeit mit mehreren US-Firmen gipfelte in der Gründung einer Firmenvertretung in Detroit und einer weiteren Innovation, der Entwicklung eines Futters für NC-Maschinen im Jahr 1960. Solche Maschinen wurden in Europa noch nicht gebaut – Bilz war seiner Zeit weit voraus.

Aber auch in der deutschen Heimat wurde Bilz mit Aufträgen geradezu überhäuft. Da die Produktion in Nellingen längst zu klein geworden war, eröffnete man 1964 einen Zweitbetrieb in Betra bei Horb.

Nach dem Tod von Otto Bilz 1979 übernahmen seine Söhne Reiner und Axel das Unternehmen, eine Zeit der Veränderungen mit personellen und strategischen Umstrukturierungen folgte. Bilz expandierte überaus stark und investierte verstärkt in Partnerschaften auf internationaler Ebene. In dieser Zeit wurden die meisten der Tochter- und Partnerfirmen in Italien, England, Indien, USA und Frankreich gegründet. Bereits1996 eröffneten die Spannspezialisten ihre erste Produktionsstätte in Indien.

Schrumpfspanntechnik auf dem Vormarsch

War das Unternehmen aufgrund der Kundenausrichtung bis zu diesem Zeitpunkt stark automobillastig, gelang mit der Einführung der Schrumpfspanntechnik im Jahr 1998 der Einstieg in neue Branchen wie die Luft- und Raumfahrt sowie die Medizintechnik. Bei diesem Verfahren wird das Werkzeug in wenigen Sekunden erhitzt und die Bohrung aufgeweitet, so dass das Werkzeug eingesetzt werden kann. Beim anschließenden Kühlvorgang schrumpft die Bohrung wieder und spannt Spannzange und Werkzeug fest zusammen. „Hochgeschwindigkeitsmaschinen kommen ohne Schrumpftechnik nicht mehr aus, das Schrumpfen ist in der Automobilindustrie, im Flugzeugbau und im Formenbau zu einer festen Größe geworden“, erklärt Michael Voss. „Ich kann sagen, dass wir maßgeblich an den Entwicklungen beteiligt waren, bis heute sind wir mit der patentierten Vorweite und der Polscheibentechnik technologisch führend.“

So ist die Schrumpfspanntechnolgie zum zweiten Standbein des Unternehmens geworden und macht 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Pendelhalter, Schnellwechselsysteme, Sonderanfertigungen und Komplettlösungen vervollständigen die Palette.

Heute entwickeln und produzieren 150 Mitarbeiter in den Werken Nellingen und Horb sowie 180 Mitarbeiter in Asien modernste Lösungen zur Werkzeugspannung für Kunden in 33 Ländern. Mit fünf Tochterunternehmen und 58 Vertretungen liegt der Exportanteil von Bilz bei 45 Prozent. „Durch unsere Marktnähe und das internationale Netzwerk sind wir sowohl Hidden Champion als auch Global Player“, sagt Michael Voss. „Wir haben unsere eigene mittelständische Kultur bewahrt, unsere Fühler aber in die ganze Welt ausgestreckt.“