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Fette Sache

Die Ölmühle Michelau bei Rudersberg: Von der Speiseölherstellung zum technischen Museum

Geschichte zum Anfassen (Foto: Gemeinde Rudersberg)

Geschichte zum Anfassen (Foto: Gemeinde Rudersberg)

06.06.2014 | 

Mitten im Welzheimer Wald steht eine alte Ölmühle. Die Mühle in Michelau, das zur Gemeinde Rudersberg gehört, gilt als älteste ihrer Art in Baden-Württemberg. 1754 wurde dort zum ersten Mal Öl aus heimischen Pflanzen gepresst. Aus Walnüssen, Bucheckern, Kürbiskernen und Raps gewann man Speiseöl, aus Leinsamen auch Bindemittel für Farben oder es wurde als Holzschutzmittel eingesetzt. Erst 1955, nach beinahe 200 Jahren, wurde der Betrieb der Ölmühle eingestellt. Ende der 1980er-Jahre wurde die historische Mühle renoviert und in ein technisches Museum umgewandelt, das viele informative Blicke in eine alte Handwerkstradition erlaubt.

Öle und Fett waren in den Zeiten, bevor Supermärkte ständig ein schier unendliches Schlaraffenland bereit hielten, eine Kostbarkeit und ein wichtiges Nahrungsmittel. Walnussöl wird heute wieder als hochwertiges Speiseöl geschätzt. Bucheckern, die heutzutage in Vergessenheit geraten sind, aber reich an Mineralstoffen, Zink und Eisen sind, waren ein gern gesammelter Luxus und energiereiches Nahrungsmittel in Notzeiten. Und auch Hausschweine schickte man früher zum Mästen in den Wald.

In ihren letzten Betriebsjahren trieb ein Motor die Mühle an, da das Michelauer Holzwehr bei einem Hochwasser 1928 weggerissen worden war. Heute säße der Müller ganz auf dem Trockenen, denn 1959 wurde der Mühlbach bei einer Flurbereinigung kurzerhand zugeschüttet. Dafür ist die Ölmühle heute ein Museum zum Anfassen. Vor allem Kinder arbeiten begeistert an den Geräten, begutachten die hydraulische Presse, versuchen sich am Webstuhl oder fahren mit der Hand über den eindrucksvollen Mahlstein und nehmen einen nachhaltigen Eindruck vom früheren Mühlenalltag mit nach Hause.

Im Dachgeschoss der Ölmühle zeigt ein kleines Flachsmuseum, wie der jahrhundertelang angebaute Flachs zu Leinöl und Leinen verwertet wurde. Ein Schaugarten mit duftig hellblau blühenden Flachspflanzen im Außenbereich, ein Kiosk als Informationspunkt und ein Spielplatz runden das Angebot ab.

Die Ölmühle ist direkt am am Wieslauftal-Radweg gelegen. An manchen Tagen hält nur wenige Gehminuten entfernt der "Wiesel": Der Zug der Schwäbischen Waldbahn schlängelt sich an den steilen Hängen des Welzheimer Waldes entlang und macht auch am Bahnhof Michelau Halt. Wer mit dem Auto kommt, biegt in Michelau Richtung Asperglen ab und kann sein Fahrzeug am Parkplatz beim Bahnhof oder dem Wanderparkplatz vor der Wieslaufbrücke abstellen.

Zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, 9. Juni werden Führungen angeboten. Die Ölmühle Michelau ist von Mai bis Oktober jeden Sonn- und Feiertag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Für Schulklassen oder andere Gruppen können Termine vereinbart werden.

http://www.rudersberg.de

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS GmbH)