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Sämtliche Superhelden unter einem Dach

Die Sammlerecke aus Esslingen ist Europas größter Comicladen

Frieder Maier vor einem Regal voller Comics. Donald Duck mag er am liebsten.

Frieder Maier vor einem Regal voller Comics. Donald Duck mag er am liebsten.

02.01.2013 | 

Wenn Frieder Maier sagt: "Eigentlich war ich nie eingefleischter Comic-Fan", fällt es schwer, ihm zu glauben. Vor 25 Jahren als kleine Leihbücherei gegründet, ist die Sammlerecke in Esslingen heute Europas größter Comicladen.

Wer das Geschäft in der Pliensauvorstadt betritt, lässt die Realität vor der Tür. Auf 2.500 Quadratmetern liegen, stehen oder türmen sich neue und antiquarische Comics, Romanhefte, Mangas und Sammelfiguren. Inhaber Frieder Maier kennt und hat sie alle: Micky Maus, Batman oder Tim und Struppi - über eine Million Bände umfasst der Bestand der Sammlerecke. Ganz genau sagen lässt sich das nie, denn ständig werden Kartons mit bunten Papierheften angeliefert - per Post oder LKW, der nur dafür eingesetzt wird, um Comicbestände deutschlandweit abzuholen. Meist bitten die Absender um Einschätzung und Ankauf, wertvolle Schätze vom Dachboden sind dabei eher die Ausnahme. "In 95 Prozent der Fälle nehmen die Kunden mein Angebot an, 5 Prozent schicke ich wieder zurück", sagt Maier. Alles was in den Bestand übergeht, muss sorgfältig durchgeblättert, kategorisiert und geschätzt werden - Ausgabe und Zustand bestimmen den Preis. In Plastikhüllen verpackt wandern die empfindlichen Hefte in eines der unzähligen Regale der Lagerhalle, wo sie auf neue Besitzer warten.

Chaos? Fehlanzeige. "Es ist unsere logistische Herausforderung, alles sofort griffbereit zu haben, wenn der Kunde bestellt", sagt Maier. Binnen 20 Sekunden, verspricht er, findet er alles. Und behält Recht: Die gewünschte Micky-Maus-Ausgabe aus dem Jahr 1985 hält er ruckzuck in seinen Händen. Das bedeutet für den Onlineshop, der mittlerweile fast 90 Prozent seines Umsatzes bestimmt, dass jede Bestellung vor 15 Uhr noch am selben Tag verschickt wird.

Rund 30 Mitarbeiter sind im Esslinger Stammhaus und in einer Filiale in Koblenz Archivare und Ansprechpartner für comicbegeisterte Kunden. Diese kommen hauptsächlich am Wochenende, viele von ihnen aus Österreich oder der Schweiz. Rund 60.000 Adressen umfasst die Kartei, ein Drittel sind Stammkunden und schauen alle paar Wochen zumindest im Onlineshop vorbei. Ein Katalog und ein wöchentlicher Newsletter halten sie auf dem Laufenden. Rund 160 neue Hefte erscheinen monatlich, kein Wunder also, dass die Sammlerecke während der letzten 24 Jahre stetig gewachsen ist, mehrere Millionen Euro pro Jahr umsetzt und sich zu Europas größtem Comicladen entwickelt hat.

Von der 35 Quadratmeter großen Leihbücherei, die Maier 1988 in Nürtingen übernahm, über eine Zwischenstation in Oberesslingen ist die Sammlerecke 2011 in der Pliensauvorstadt angekommen. "Ich bin in Esslingen geboren, hier bringt mich keiner weg und deshalb muss auch mein Laden hier bleiben", schmunzelt der Inhaber. Daher ist die Neckarstadt inzwischen auch Comiczeichnern aus aller Welt bekannt: Don Rosa, Disneys berühmtester Entenzeichner, war hier ebenso zu Gast wie Bill Morrison, der die gelbhäutigen Simpsons zum Leben erweckte.

Bei den meist männlichen Kunden ist der günstige Secondhand-Bereich beliebt. Hier gibt es Comics nach Gewicht - ein Kilo Lesestoff kostet zehn Euro. "Sonst ist das ein Hobby, das ganz schön kostspielig werden kann", sagt Maier. Grund dafür sei, dass die bunten Bände immer hochwertiger und anspruchsvoller hergestellt würden. Am wertvollsten sind trotzdem die ganz alten Exemplare, allen voran das erste Micky-Maus-Heft aus dem Jahr 1951. Befindet es sich in einem sehr guten Zustand, bezahlen Sammler für diese Rarität bis zu 15.000 Euro.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, fürchtet Maier, bis die Sammlerecke am neuen Standort wieder aus allen Nähten platzen wird - vor Comics und Romanen, DVDs, Sammelbildern und -figuren. Auch wenn er behauptet, kein eingefleischter Comic-Fan zu sein, faszinieren ihn Donald, Daisy und Co. seit Jahrzehnten: "Ich könnte schließlich auch Zahnpasta verkaufen - aber das wäre langweilig", lacht er.

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS)