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Früher schnaufte das Bähnle - heute die Radfahrer

Die ehemalige Hohenstaufenbahn ist heute ein beliebter Rad- und Wanderweg - gleichmäßige Steigungen und schöne Aussicht inklusive

Da geht's lang (Foto: Landratsamt Göppingen)

Da geht's lang (Foto: Landratsamt Göppingen)

14.06.2013 | 

Für die einen war es das Josefle, für die anderen das Klepperle. So bezeichnete der Volksmund liebevoll die Hohenstaufenbahn, die früher Göppingen und Schwäbisch Gmünd verbunden hat. Das Bähnle, das mit traumhaften Panoramen aufwartete, gibt es nicht mehr. 1984 schnaufte der letzte reguläre Personenzug über die steile Strecke. In den Jahren danach wurden die Gleise der Strecke abgebaut und 1990 als Wander- und Radweg eröffnet. Heute genießen Zweiradfahrer und Leute auf Schusters Rappen die steilen Anstiege und grandiosen Aussichten. Der Weg zeichnet große Teile der ehemaligen 27 Kilometer langen Trasse nach.

Der Weg beginnt in Schwäbisch Gmünd am Südende der Brücke über die Rems und endet im Göppinger Stadtteil Faurndau kurz vor dem ehemaligen Bahnhof Faurndau Nord. Entlang des Fahrradweges finden sich immer wieder Relikte der ehemaligen Bahnstrecke. Als im 19. Jahrhundert überall neue Bahnstrecken aus dem Boden sprossen, diskutierte man auch die Anbindung des ländlich geprägten Raumes im Osten Stuttgarts an das Eisenbahnnetz.

Der Plan einer Hauptbahn zwischen Rems- und Filstal, wurde verworfen und stattdessen 1907 damit begonnen, die Hohenstaufenbahn zu bauen. Der erste Streckenabschnitt zwischen Schwäbisch Gmünd und Wäschenbeuren eröffnete vier Jahre später. 1911 wurde dann der zweite Teil der Nebenbahn eingeweiht, die in Göppingen Anschluss an die Hauptstrecke Stuttgart-Ulm fand. Der markante Hohenstaufen bei Göppingen gab der Bahnlinie ihren Namen. Die Trasse zeigt durchaus Gebirgscharakter. Die gesamte Trasse bestand überwiegend aus Kurven, mit minimalen Kurvenradien von 200 Metern.

Vom Remstal aus in 319 Metern Höhe überwand die Bahn vorbei am Rechberg und Hohenstaufen einen satten Anstieg auf 445 Meter nahe der Ortschaft Maitis. Von diesem höchsten Punkt ging es dann zum Filstal wieder rund 140 Höhenmeter hinunter. Die steilsten Teilstücke schrauben sich mit 2,5 Prozent Steigung in die Höhe, das ist noch ein bisschen mehr als bei der legendären Geislinger Steige. Mehr als 50 Kilometer in der Stunde waren nicht möglich. Die früher vielgenutzte Verbindung verlor zunehmend an Bedeutung als immer mehr Fahrzeuge mit und ohne Stern mobil machten.

Heute ist die (Freizeit-)Mobilität auf zwei Rädern gefragter denn je. Die Panoramastrecke mit vielen spektakulären Aussichtspunkten und die gleichmäßigen Steigungen begeistert nun Wanderern Radfahrer und Inline-Skatern. Auch alle Bahnhofsgebäude sind bis heute erhalten. Sie werden unterschiedlich genutzt, in Schwäbisch Gmünd Süd beispielsweise als Gaststätte, in Wäschenbeuren als Kindergarten, in Rechberghausen als Theater.

http://www.stauferland.de/touren-tipps/radtouren/der-josefle-radweg.html

http://www.landkreis-goeppingen.de/servlet/PB/menu/1433031_l1/index.html

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS GmbH)