Vom Küchentisch zur Luftaufnahme

Die Gründer von thedrone.studio GmbH aus Stuttgart filmen mit ihren speziellen Drohnen nicht nur für Fernsehen, Streamingdienste und Werbekunden, sie entwickeln und bauen ihre Drohnen auch selbst

Fotos: thedrone.studio GmbH

Eine alte Villa in einer Stuttgarter Wohngegend. Eine steile Treppe führt ins Obergeschoss. Hinter einer Glastüre wedelt freudig ein Hund mit seinem Schwanz zur Begrüßung. Auf dem Schreibtisch gegenüber der Türe arbeitet ein 3D-Drucker auf Hochtouren. Unter den Dachfenstern an der Seite stehen Drohnen jeglicher Größe: Winzig kleine Objekte, die gerade einmal ein paar Gramm wiegen bis hin zu einer Drohne, die halb so groß ist wie ein Mensch.

Die Drohnen gehören zu thedrone.studio GmbH. Das Unternehmen wurde zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 von André Jung und Daniel Wagner gegründet. Beide haben sich das Drohnen-Fliegen selbst beigebracht. Aus dem Hobby wurde eine Geschäftsidee, heute filmen sie für große Kunden wie Mercedes-Benz, Amazon oder den FC Bayern München. Die beiden Gründer machen mit ihren Drohnen aber nicht nur spektakuläre Luftaufnahmen, sie bauen die Drohnen auch selbst. „Als wir angefangen haben, haben wir gemerkt, dass es solche Drohnen, wie wir sie für unsere Aufnahmen benötigen, gar nicht zu kaufen gibt“, sagt Jung. So hätten er und Wagner begonnen, die Drohne selbst zu entwickeln und zu bauen. „Am Anfang saßen wir nachts in unserer WG und haben uns selbst das Löten beigebracht“, erzählt Jung schmunzelnd. „Wir mussten uns komplett alles selbst zusammenbasteln. Mittlerweile gibt es zwar vorgefertigte Teile wie Motoren oder Kameras, aber die Drohnen bauen wir nach wie vor selbst zusammen.“

Von der Studentenküche zu internationalen Produktionen

Was in der heimischen Küche anfing, ist heute ein Unternehmen, das für internationale Produktionen tätig ist. „Unsere Kunden kommen vor allem aus der Industrie, für sie machen wir Werbefilme. Aber mittlerweile haben wir auch immer mehr Anfragen aus dem Serien- und Filmbereich“, erzählt Jung. „Dadurch, dass die Drohnen sehr schnell fliegen, kommen sie vor allem in actionreichen Szenen zum Einsatz.“ Es handle sich allerdings nicht um herkömmlich Drohnen, wie sie von Hobbypiloten benutzt werden. „Wir nutzen spezielle Race-Drohnen, die normalerweise bei Wett- und Hindernisflügen eingesetzt werden“, so Jung. Diese seien sehr viel schneller als normale Drohnen. „Außerdem haben wir an unseren Drohnen zwei Kameras: Mit der einen filmen wir, mit der anderen bekommen wir mithilfe einer VR-Brille die Sicht der Drohne übertragen und müssen den Flug nicht auf einem Bildschirm verfolgen“, erklärt Jung. Die Technik dazu haben die beiden aus der sogenannten „First Person View“-Szene (FPV) adaptiert. Dort werden die Drohnen aus der Perspektive eines virtuellen Piloten an Bord gesteuert. „Wir fliegen nicht auf Sicht, wir sind quasi in der Drohne drin“, beschreibt Jung ihr Vorgehen. So seien wesentlich dynamischere Aufnahmen möglich.

Mittlerweile sind Jung und Wagner mit ihren speziellen Drohnen auch im Ausland gefragt. „Letztes Jahr waren wir zum Drehen in Slowenien, vor Kurzem erst für einige Tage in Südtirol“, erzählt Wagner. „Allerdings sitzen unsere Kunden größtenteils in der Region Stuttgart, was für uns als Unternehmen ein riesen Vorteil ist“, so Wagner. „Hier sitzen nicht nur die großen, bekannten Firmen, sondern auch viele Hidden Champion, hier gibt es so viel Potenzial.“ Begonnen habe der Erfolg mit einem Video für das Mercedes-Benz-Museum. „Weil Lockdown war, hatte das Museum geschlossen. Ein perfekter Zeitpunkt, um unsere selbstentwickelte Mini-Drohne durch Museum zu fliegen und mit einem Film die Wiedereröffnung des Museums anzukündigen“, sagt Wagner. „Dadurch, dass unsere Drohne klein, robust und komplett manuell steuerbar ist, konnten wir dynamische Kamerafahrten realisieren.“ Entstanden sei ein Film mit neuen und anderen Blickwinkeln des Museums. „Das Video war ein voller Erfolgt bei Social Media und zählt zu den erfolgreichsten Videos 2020 von Mercedes Benz“, so Wagner.

Acht Kilogramm an einem Stativ

Er und Jung haben nicht nur die Mini-Drohne entwickelt, die gerade einmal 76 Gramm wiegt. Auch eine Riesen-Drohne haben Jung und Wagner gebaut, die mithilfe einer Art hängendem Stativ unterhalb der Rotationsblätter auch große Film-Kameras von bis zu acht Kilogramm tragen kann. „Das ist einzigartig in Deutschland, so eine FPV-Drohne haben bisher nur wir“, sagt Wagner. Die Drohne wird separat zur Kamera gesteuert, das stellt sicher, dass der Pilot sich auf die Steuerung der Drohne und der Kameramann auf die Steuerung der Kamera fokussieren kann. „Wir waren auch die ersten in Deutschland, die in der Lage waren, eine Filmkamera auf einer FPV-Drohne zu fliegen“, so Wagner.

thedrone.studio

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS)/Simone Ruoffner-Unterrainer

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