179 - Das Online-Magazin

Aus weniger wird mehr

Neuer Sonderforschungsbereich der Universität Stuttgart entwickelt anpassungsfähige Bauteile für ressourcenschonenden Wohnungsbau

Adaptives Tragwerk in Form einer Holzschale: Die Stuttgart Smart-Shell (Foto: Bosch Rexroth)

Adaptives Tragwerk in Form einer Holzschale: Die Stuttgart Smart-Shell (Foto: Bosch Rexroth)

04.01.2017 | 

Bezahlbaren Wohnraum schaffen bei minimalem Ressourceneinsatz: Nicht nur in der Region Stuttgart sind neue Ansätze gefragt, umweltverträglicher und gleichzeitig billiger zu bauen. Wie angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung und schrumpfender Ressourcen künftig mehr Wohnraum mit weniger Material geschaffen werden kann, untersucht der neue Sonderforschungsbereich (SFB) "Adaptive Hüllen und Strukturen für die gebaute Umwelt von morgen" an der Universität Stuttgart.

Die Forscher befassen sich dafür mit der Entwicklung von Bauteilen, die sich optimal an unterschiedliche Belastungen und Umweltbedingungen anpassen können. Dadurch können zum Beispiel tragende Strukturen mit weniger Material hergestellt werden. Neben den Umwelt- und Kostenvorteilen entstehen dadurch auch neue Entwurfs- und Gestaltungsspielräume für Architekten. Grundlegend neu ist, dass ein mit solchen Bauteilen errichtetes Gebäude nicht mehr als ein in sich abgeschlossenes und fertiges Produkt angesehen werden muss. Die Bewohner können bestimmte Eigenschaften des Bauwerks gezielt auf ihre Bedürfnisse anpassen.

"Mit dem neuen SFB konnte die Universität Stuttgart nun zum zweiten Mal binnen zwei Jahren einen Sonderforschungsbereich einwerben, der anpassungsfähige und gleichzeitig ökologisch effiziente Strukturen für Gebäude von morgen in den Mittelpunkt stellt. Dies unterstreicht die Forschungsstärke der Universität Stuttgart in ihrem Schwerpunkt 'Architektur und adaptives Bauen', der die Grenzen herkömmlichen Bauens durchbricht und wichtige Beiträge zur Schonung der weltweiten Ressourcen leistet", betont der Rektor der Universität Stuttgart, Prof. Wolfram Ressel.

Etwa 60 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs, 50 Prozent des Abfalls sowie 35 Prozent des Energieverbrauchs und der Emission werden durch die Bauindustrie produziert. "Der Einsatz adaptiver Elemente erlaubt Einsparungen beim Einsatz von Material und Energie in bisher nicht gekannten Größenordnungen", so Prof. Werner Sobek vom Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) und Sprecher des SFB. Der Forschungsbereich bringt Kompetenzen aus dem Leichtbau, der Komponentenentwicklung, der Systemdynamik, der Planungstheorie, der visuellen Analyse und der Gestaltung zusammen.

uni-stuttgart.de/ilek

Quelle: Universität Stuttgart / Red.: WRS