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3-D-Druck: Die Technologie der Zukunft

Die Schorndorfer Firma Alphacam beschäftigt sich bereits seit fast drei Jahrzehnten mit der Technik

Fotos: ZVW/Büttner

15.11.2018 | 

Die Firma Alphacam in Schorndorf verkauft 3D-Drucker für den Profibereich und produziert im Auftrag Produkte aus dem Sprühkopf solcher Hochleistungsmaschinen. Geschäftsführer Michael Junghanß sagt: „Wir kratzen erst an der Oberfläche der Möglichkeiten, die diese Technologie in der Zukunft noch zu bieten hat.“ Dass 3D-Drucker irgendwann jeden Alltagsgegenstand ausspucken, wird aus seiner Sicht allerdings Utopie bleiben.

Wären es keine Maschinen, könnte man sagen, 3D-Drucker haben eine unendliche Eselsgeduld. In der Werkshalle von Alphacam stehen unterschiedliche Modelle, die alle beschäftigt sind. Das hört man am Surren der kleinen Motoren, die den Druckkopf mit höchster Präzision gleichmäßig hin und her bewegen. Schicht um Schicht trägt die Düse den heißen Kunststoff auf das Fundament auf, das langsam in die Höhe wächst.
Geschäftsführer Michael Junghanß beschäftigt sich seit 1989 mit dieser Technologie, also schon fast 30 Jahre. Wenn er durch das kleine Fenster des Druckers beobachtet, wie dort auch sehr filigrane Gegenstände entstehen und kleinste Details erkennbar sind, ist ihm die Faszination immer noch anzumerken. „Die Methode ist eigentlich die gleiche wie beim Bau der Pyramiden“, erklärt er die vom Ansatz her gar nicht so neue Grundidee des 3D-Drucks. In Schichtbauweise haben die Ägypter die gigantischen Grabmäler errichtet, Steinreihe auf Steinreihe.

Der Druckkopf verfährt nach dem gleichen Prinzip. Fachleute sagen dazu „additive Fertigung“. Es ist das umgekehrte Verfahren zum traditionellen Modellbau. Dort wird aus einem Holz- oder Styroporblock das überflüssige Material entfernt, bis die gewünschte Form übrig bleibt. Der 3D-Drucker in XXL-Größe und mit knapp drei Tonnen Gewicht, der Fortus 900MC, fertigt Gegenstände mit einem Ausmaß von bis zu 90 mal 60 mal 90 Zentimetern. Bis zu 400 Stunden, also mehr als zwei Wochen, kann er damit beschäftigt sein.

Viele Aufträge sind streng geheim

Präzision kommt eindeutig vor Schnelligkeit. „Schnell ist anders“, sagt auch Junghanß. Dafür benötige der Drucker im Gegensatz zu einer CAD-Maschine keine Aufsicht. In der Werkshalle ist nur ein Mitarbeiter zu sehen, der damit beschäftigt ist, fertige „Drucke“ aus der Maschine zu holen und diese mit thermoplastischen Kunststoffen in Pulverform zu versorgen - sozusagen die Druckertinte.

Ist der Gegenstand größer, wird er in Teilen ausgedruckt. Die werden am Ende zusammengeklebt. Was dabei herauskommen kann, ist im Showroom zu besichtigen: Dort steht der Kühlergrill einer Limousine, der aus der Fertigserie stammen könnte. Doch das Bauteil ist ein Prototyp, der vom Autohersteller bei Alphacam in Auftrag gegeben worden ist. Das ist im Druckbereich das Hauptgeschäft des Unternehmens: die Herstellung von Prototypen und Designstudien, die den Auftraggebern einen realistischen Eindruck von dem Gegenstand geben, den sie später an ihre Kunden verkaufen wollen. Das ist zwischen Alphacam und dem Kunden auch Vertrauenssache: „Jede Woche unterschreiben wir zwischen fünf und zehn Geheimhaltungsvereinbarungen“, sagt der Geschäftsführer.

Auch ein XXL-Drucker arbeitet feinfühlig, schichtet Wände mit einer Stärke von weniger als einem Millimeter auf, wenn die Druckdaten ihm das vorgeben. In der Ausstellung sind einige ausgedruckte komplette Brillengestelle zu sehen, die beim Auftraggeber eventuell schon in die Serienfertigung gegangen sind. Seit neuestem, berichtet Junghanß, können die Maschinen sogar in Farbe drucken; nachträgliches Bemalen ist nicht mehr notwendig.

Das Unternehmen vertreibt in Deutschland, Schweiz und Österreich 3D-Drucker eines israelisch amerikanischen Unternehmens. Je nach Größe und Ausstattung kosten die Maschinen zwischen 10 000 und 500 000 Euro. Unternehmen kaufen sie für ihre Produktentwicklung, Universitäten für Forschungszwecke. In manchen Fabriken stehen 3D-Drucker aber schon an den Produktionsbändern. „Hätten Sie gedacht, dass der Airbus 350 unter anderem auch aus 1000 gedruckten Bauteilen besteht?“ Wenn Serienprodukte, wie es Flugzeuge sind, in Teilen dem Kundenwunsch angepasst werden, seien Komponenten aus dem 3D-Drucker die ideale Lösung, so Junghanß. Auf Knopfdruck Ersatzteile zu produzieren sei ebenfalls ein Aufgabenfeld.

Im privaten Bereich sieht er hingegen kaum Anwendungsmöglichkeiten. Vor einigen Jahren seien Patente ausgelaufen. Daraufhin seien einfache 3D-Drucker günstiger geworden. Doch die Privatanwender seien schnell enttäuscht gewesen. „Die Technik zu beherrschen ist nicht das Problem, sondern die Druckdaten zu bekommen.“ Die könne man zwar auf bestimmten Portalen aus dem Internet herunterladen und damit seinen Drucker füttern. „Doch dann kann man sich den Gegenstand gleich bei Amazon bestellen“, sagt Junghanß. Das Potenzial eines 3D-Drucker dürfe nicht überschätzt werden. Dass man sich die neue Kaffeemaschine irgendwann mal gebrauchsfertig ausdrucken kann, daran glaubt er eher nicht. „Doch andererseits: Man soll nie nie sagen“, gibt er zu bedenken.

alphacam.de

Quelle: ZVW/Uwe Roth