Man nehme: die Filmakademie Baden-Württemberg und Pixomondo, eine Firma für visuelle Spezialeffekte
Am Wochenende sind sie wieder verliehen worden, die Oscars, die angesehensten Filmpreise auf diesem Planeten. Wie gewinnt man diesen wichtigen goldenen Onkel? Patentrezepte gibt es nicht, aber der Oscarglanz strahlt über Stuttgart und Ludwigsburg stärker denn je.
Die Firma Pixomondo, die neben ihrer Stuttgarter Niederlassung weltweit Studios betreibt, steuerte nahezu alle digital bearbeiteten Szenen zu Hugo Cabret bei. „Ja, wir haben den Gewinn schon gefeiert, denn ein wesentlicher Teil ist in den Stuttgarter Studios entstanden,“ sagt Heiko Burkardsmaier, Geschäftsführer von Pixomondo Stuttgart.
Viele Spezialisten ihres Fachs, ohne die Filme heutzutage undenkbar wären, haben ihr hochspezialisiertes Handwerkszeug an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg erworben. Thilo Kuther, CEO von Pixomondo, bestätigt: "Sehr viele Leute, die an der Filmakademie ausgebildet wurden, haben an diesem Film mitgearbeitet. Die Filmakademie ist für uns eine der wichtigsten Quellen für herausragendes Talent.“
Hugo Cabret von Regie-Legende Martin Scorsese hat insgesamt fünf Oscars in technischen Kategorien gewonnen hat, darunter für digitale Spezialeffekte. Der Film erzählt die Geschichte eines zwölfjährigen Waisenjungen, der im Dachgeschoss eines Pariser Bahnhofs haust, und versucht das Geheimnis eines Automatenmenschen zu lüften. Er ist eine Hommage an die Kindertage des Kinos wie auch an den französischen Kinopionier Georges Méliès.
Pixomondos Niederlassung in Stuttgart konzentrierte sich beispielsweise auf die Aufnahmen aus dem Paris der dreißiger Jahre und George Méliès‘ skurrile Unterkunft. Während der Dreharbeiten sahen die Schauspieler oft Grün. Hintergründe, Ausblicke, selbst Kleidungsstücke, die erst später am Computer eingesetzt wurden, waren aus farbigem Stoff oder Pappe, deren Leerstellen von den IT-Spezialisten mit Architektur oder Landschaft geschlossen wurden.
Ohne visuelle Effekte (VFX) und digitale Nachbearbeitung kommt heute kein Film mehr aus. Das Institut für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion beflügelt die Region Stuttgart seit langem als Kreativstandort der Filmbranche. Visuelle Effekte, kurz VFX genannt, werden eingesetzt, wenn Filmmaterial aufgebessert werden soll oder um besondere Effekte zu erzielen, die mit einer normal entstandenen Filmaufnahme nicht oder nur mit sehr großem Aufwand erreichbar wären.
Die Absolventen der Filmakademie in Ludwigsburg, die sich seit ihrer Gründung 1991 in die Liga weltweit renommierter Filmhochschulen gespielt hat, sind international gefragt. Das projektorientierte Lehrkonzept „Learning by doing“ trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Die vielen Preise, die die Studierenden von nationalen und internationalen Filmfestivals regelmäßig mit nach Hause bringen, sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Talentschmiede aus Ludwigsburg wieder einmal beim wichtigsten Filmpreis der Welt mitgemischt hat, ist eine oscarreife Leistung.