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"Mit der Nischenstrategie fahren wir bestens"

Die Konstruktions- und Hochleistungskunststoffe der Ensinger GmbH aus Nufringen kommen weltweit in allen wichtigen Industriebranchen zum Einsatz

Die Konstruktions- und Hochleistungskunststoffe der Ensinger GmbH aus Nufringen kommen weltweit in allen wichtigen Industriebranchen zum Einsatz (Bild: Ensinger)

Die Konstruktions- und Hochleistungskunststoffe der Ensinger GmbH aus Nufringen kommen weltweit in allen wichtigen Industriebranchen zum Einsatz (Bild: Ensinger)

10.06.2014 | 

Die Ensinger GmbH entwickelt, fertigt und vertreibt Halbzeuge, Profile, technische Teile und Verbundstoffe aus Konstruktions- und Hochleistungskunststoffen. Die Produkte sind in fast allen wichtigen Industriebranchen zu finden, darunter im Maschinenbau, in der Automobilindustrie, der Medizintechnik, der Bau- und Elektroindustrie und der Luftfahrttechnik. Der Mittelständler aus Nufringen in der Region Stuttgart gilt als bedeutender Schrittmacher für Innovationen und wegweisende Lösungen. Weltweit beschäftigt Ensinger 2.100 Mitarbeiter.

Als Wärmedämmprofile in Metallfenstern, Dichtringe im Automobil oder Platzhalter für Zwischenwirbelräume in der Orthopädie: Immer öfter ersetzen Kunststoffe Produkte aus Metall oder Keramik. Eigenschaften wie Formbarkeit, Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit, Temperatur- und Wärmeformbeständigkeit zeichnen technische Kunststoffe gegenüber anderen Werkstoffen aus. Die Produkte der Ensinger GmbH aus Nufringen im Kreis Böblingen in der Region Stuttgart kommen weltweit zum Einsatz.

"Kunststoff ist ja ein relativ junger Werkstoff und hat noch große Potenziale, wir haben uns nach und nach immer neue Anwendungsgebiete erschlossen", erklärt Dr. Roland Reber, Geschäftsführer der Ensinger GmbH. So werden neben Kupplungen, Getriebekomponenten und Motorblockabdeckungen von Autos auch im Maschinenbau eingesetzte Lager, Buchsen, Hebel und Zahnräder aus Hochleistungskunststoffen hergestellt. Auch in der Medizin-, Orthopädie-, und Dentaltechnik beginnen Kunststoffe Metalle zu verdrängen. Das Spektrum der eingesetzten Werkstoffe reicht von Konstruktionskunststoffen wie Polyamiden oder Polyacetalen bis hin zur Klasse der hochtemperaturbeständigen Kunststoffe wie Polyetheretherketon (PEEK).

Neue Extrusionsverfahren in der Garage

Als der gelernte Werkzeugmacher Wilfried Ensinger 1966 beschloss, sich mit den gerade aufkommenden technischen Kunststoffen intensiver zu beschäftigen und Qualitätshalbzeuge und Maschinenelemente zu fertigen, waren die Verfahren für die Verarbeitung dieser neuen thermoplastischen Materialien noch nicht sonderlich ausgereift. In seiner Garage in Ehningen bei Böblingen entwickelte er auf selbst konstruierten Anlagen neue Verfahren der Strangpressung (Extrusion), bei denen dickflüssige härtbare Kunststoffmassen unter Druck durch eine Düse oder Matrize gepresst werden.

In den folgenden Jahrzehnten ging es mit dem Unternehmen kontinuierlich bergauf. Nach dem Umzug ins nahe gelegene Nufringen folgten der Aufbau der Zweigwerke und bereits 1986 die erste Auslandniederlassung in den USA. Zwar haben sich die Produkte seither erheblich verändert - die damaligen Werkstoffe sind aber bis heute Standard.

Mit der Extrusion von Halbzeugen, Profilen und Rohren, der Herstellung von Fertigteilen mittels Spritzguss, Zerspanung und Direktformung sowie der Entwicklung und Produktion maßgeschneiderter Verbundstoffe, so genannter Compounds, die mit Hilfe von Füllstoffen und Additiven optimiert werden, ist die Ensinger GmbH heute außerordentlich breit aufgestellt. Das Familienunternehmen betreibt Produktionswerke in den USA, in Brasilien, in China sowie Vertriebsstandorte in allen wichtigen Industrieregionen. "Wir sind zwar nicht der größte Hersteller in diesem Segment, aber zweifellos der Schrittmacher für innovative Ideen und wegweisende Lösungen", sagt Dr. Roland Reber.

Besser auf zwei Beinen stehen: die Strategie der beiden Unternehmenssäulen

Neben der Kunststoffkompetenz ist die Anwendungsentwicklung die zweite strategische Säule der Ensinger GmbH. "Nur wer Problemstellungen genau versteht, kann marktgerechte Lösungen entwickeln", sagt Dr. Roland Reber. "Wir setzen uns mit den Eigenschaften der Hochleistungskunststoffe auseinander und konstruieren entsprechend. Die Form eines Teils, das früher aus Metall hergestellt wurde, kann ja nicht eins zu eins auf Kunststoff übertragen werden."

Letztlich ist es dem Unternehmen gelungen, mit seinem speziellen Know-how eine Nische zu finden, aus der heraus es fast jedem Industriezweig bedeutende Anwendungen oder Produkte zu bieten hat. Maschinenbau, Automobilindustrie, Pharma-, Medizin- und Orthopädietechnik, Luft- und Raumfahrtindustrie, Elektronik und Halbleitertechnik vertrauen auf die Lösungen des schwäbischen Mittelständlers. Dieser fährt mit seiner Nischenstrategie sehr gut: Die Gruppe wächst stetig und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 350 Millionen Euro. Für die Ensinger GmbH mit dem Stammwerk in Nufringen und den Zweigstellen in Rottenburg-Ergenzingen und Cham arbeiten 1.100 Mitarbeiter.

Mit mittelständischen Tugenden weltweit zu Hause

Weltweit beschäftigt die Ensinger-Gruppe 2.100 Mitarbeiter. Die Unternehmensphilosophie ist zutiefst geprägt von mittelständischen Tugenden. "Unsere Mitarbeiter fühlen sich stärker zu Hause, als in einem Riesenkonzern", erklärt Dr. Roland Reber. "Wir arbeiten gemeinsam an einem soliden Wachstum, von dem alle profitieren; dazu müssen wir langfristig planen und denken."

Ein beeindruckendes Indiz dafür, dass sich die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen identifizieren ist die jüngst erfolgte Auszeichnung zum "Besten Arbeitgeber 2014". Für die Online-Umfrage der Zeitschrift "Focus" waren 12.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt worden. "Innovationen sind meist die Summe aus vielen kleinen Verbesserungen, und hinter jeder geglückten Neuentwicklung stehen Mitarbeiter, die langjährige Erfahrung mit Neugier verbinden können", sagt Dr. Roland Reber.

http://www.ensinger-online.com

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS)