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Die schwäbische Pyramide

Das Keltengrab in Hochdorf/Enz ist ein spektakuläres Highlight in der Region

Der Höhepunkt ist die vollständig rekonstruierte Grabkammer (Foto: Stork, Keltenmuseum Hochdorf/Enz)

Der Höhepunkt ist die vollständig rekonstruierte Grabkammer (Foto: Stork, Keltenmuseum Hochdorf/Enz)

17.10.2013 | 

Die einen errichteten Pyramiden, die anderen schütteten riesige Bestattungshügel auf. Vor rund 2.500 Jahren fand im Nordwesten der heutigen Region Stuttgart ein besonders prunkvolles Begräbnis statt. Im Lauf der Zeit flachte die mächtige Grabstätte ab, verschwand aus der Erinnerung und schlug allen Plünderern ein Schnippchen. Als 1978 in Hochdorf/Enz, einem Ortsteil von Eberdingen, beim Pflügen ungewöhnliche Steine zum Vorschein kamen, wurde daraus eine weltweite Sensation: ein glanzvolles Grab aus der Keltenzeit, das mit seinem Durchmesser von etwa 60 Metern zu den größten seiner Art zählt. Schnell hatte der Bestattete den Namen "Keltenfürst" weg, weil er mit außergewöhnlich reichen Grabbeigaben ausgestattet war.

Der Fürst reiste mit allem Luxus der Zeit ins Jenseits: mit großzügigem Goldschmuck, einem Täschchen mit Nagelschneider, Rasiermesser, Kamm und Angelhaken und einem vierrädrigen Wagen. Hochdorf muss in jener Zeit bereits eine besondere Siedlung gewesen sein, dies belegen herausragende Fundobjekte wie die älteste Feinwaage, die nördlich der Alpen gefunden wurde, oder Fragmente kostbarer Trinkschalen, die aus dem fernen Athen importiert worden waren. Am meisten staunten die Archäologen, als eine rund drei Meter lange, reich verzierte Bronzekline - eine Art Ruheliege - zum Vorschein kam, die Liegestatt des Leichnams.

Heute bildet der wiederaufgeschüttete Hügel ein imposantes Zeichen in der Landschaft. Im benachbarten Keltenmuseum sind kostbar gearbeitete Repliken zu bewundern. Die originalen Funde sind im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart ausgestellt. Der Höhepunkt ist die vollständig rekonstruierte Grabkammer, die prunkvollen Beigaben wurden mit alten Werkzeugen und handwerklichen Techniken von einem Kunstschmied hergestellt. Eine Weberin fertigte Borten nach dem 2.500 Jahre alten Vorbild.

Im Umkreis des Keltenmuseums vermittelt eine rekonstruierte Hofanlage anschaulich ein Bild des Lebens in dieser Zeit. Der sich anschließende Keltenweg ist ein Radund Wanderweg der Arbeitsgemeinschaft "Grünes Strohgäu": Zwei Touren führen über Asperg bis nach Ditzingen und verbinden neun keltische Denkmale.

http://www.keltenmuseum.de

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS)