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Roboter in freier Wildbahn

Die ITronic GmbH aus Erdmannhausen gehört zu den innovativsten Unternehmen Deutschlands

Turbulenzsensor (Foto: ITronic)

Turbulenzsensor (Foto: ITronic)

02.10.2015 | 

Die Region Stuttgart ist höchst innovativ, das ist bekannt. Wenn ein Unternehmen aber 70 Prozent seines Gewinns mit innovativen Marktneuheiten und Verbesserungen macht, dann ist das auch für diesen Standort etwas Besonderes. Die ITronic GmbH aus Erdmannhausen hat sich seit ihrer Gündung im Jahr 1994 zu einem gefragten Spezialist für Mess-, Prüf- und Automatisierungstechnik entwickelt. Wer ein Auto mit Parksensorik besitzt, kann davon ausgehen, dass diese mit Geräten aus der Region Stuttgart geprüft wurde. Die von den Ingenieuren bei ITronic entwickelten Prüfanlagen für Kfz-Stoßfänger sind weltweit in den Produktionsstätten der Zulieferer für nahezu alle deutschen Automobilhersteller im Einsatz.

Aus Umsätzen werden Innovationen

Das schwäbische Unternehmen zählt seit kurzem zu den „Top-100“ der innovativsten Unternehmen Deutschlands. Im Juni erhielt die ITronic GmbH auf beim deutschen Mittelstandswettbewerb die Top-100 Auszeichnung. „Wir wissen auch ohne wissenschaftliche Analysen um unsere Innovationskraft“, äußert der Gründer und Geschäftsführer des erfolgreichen Unternehmens Ingmar Troniarsky. „Das liegt auch daran, dass wir etwa 15 Prozent unseres Umsatzes gleich wieder in Forschung und Entwicklung investieren“, ergänzt er selbstbewusst. Zum Vergleich: Der Investitionsdurchschnitt aller kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland liegt bei 1,5 Prozent.

Rund ums Auto aktiv

Automobilzulieferer sind gute Kunden bei ITronic. So wird bei mehreren namhaften Unternehmen der Branche ein Testgerät verwendet, das die Lebensdauer von Schaltern und Sensoren überprüft, die beispielsweise mit dem Blinker, der Fahrzeugbeleuchtung oder dem Scheibenwischer zusammenhängen. „In diesem Bereich haben wir sehr viel entwickelt“, sagt Ingmar Troniarsky. „Eine andere Anlage stellt mit eingebauten Kameras und bildverarbeitungsbasierter Prüftechnik sicher, dass Seitenverkleidungen korrekt angebracht sind oder führt elektrische Funktionsprüfungen durch – die Möglichkeiten sind vielfältig.“ Ganz neu ist ein Sensor, der es erstmals ermöglicht, automatisert zu prüfen, ob sich winzigste Risse oder Poren gebildet haben und die Qualität mindern. „Wir sprechen hier von Riss-und Porenbildung ab 30 Mikrometer, zum Beispiel an Laserschweißnähten, erläutert Troniarsky. Der robuste Sensor kann unter erschwerten industriellen Fertigungsbedingungen wie Hitze, Feuchtigkeit, Schmiermittel eingesetzt werden. Die komplette Auswerteelektronik ist bereits im Sensor integriert.

Mit zwei Mitarbeitern gestartet

Als das Unternehmen 1994 den ersten Firmensitz in Steinheim an der Murr bezog, waren es neben Troniarsky gerade einmal zwei Mitarbeiter, die sich mit der Entwicklung und Fertigung von Mess-, Prüf- und Automatisierungtechnik befassten. 1997 zog die junge und sich schnell vergrößernde Firma an den heutigen Stammsitz nach Erdmannhausen um. „Damals haben wir die Büro- und Produktionsflächen erheblich vergrößert“, sagt Troniarsky. Seit 15 Jahren ergänzt am selben Standort das Tochterunternehmen ITsoft GmbH das Stammunternehmen. „Ohne die Informationstechnologie ist Maschinenbau heute nicht mehr möglich, weiß Troniarsky, der selbst Informatik studiert hat. „Beide Firmenbereiche stehen in sehr engem Kontakt und unter ständigem Informations- und Kompetenzaustausch.“

Auch Zahnbürsten profitieren

Die Automobilindustrie ist nicht der einzige Geschäftsbereich. Zum Beispiel werden mit hochmodernen Roboter-Lötwerkzeugen aus der Region Stuttgart elektrische Zahnbürsten eines großen deutschen Herstellers gefertigt. Und auch Paketverteiler setzen auf die Technik aus Erdmannhausen. Für diese Kunden stellt das Unternehmen Justierungs- und Prüftechnik für Barcodescanner bereit, die in Paketverteiler-Zentren zum Einsatz kommen und für einen reibungslosen und schnellen Ablauf des täglichen Versands sorgen. „Allen Projekten ist gemeinsam , dass sie Spezialkenntnisse und gleichzeitig ein extrem breit angelegtes Wissensspektrum erfordern“, sagt der Geschäftsführer. „Wir setzen zusätzlich auf neue Kooperationen, ermittelt stetig neue Geschäftsfelder und sind sehr aktiv im Austausch mit Hochschulen. Auf diese Weise erzielen wir oftmals einen Know-how-Vorsprung vor anderen Wettbewerbern.“

Zur Erschließung des osteuropäischen Marktes wurde 2004 die ITronic Kft. in Budaörs (Ungarn) gegründet. Mit der Gründung der XTservices GmbH im Jahr 2013 vergrößert ein weiteres Mitglied die ITgroup. Aufgabe der XTservices sind zentrale Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen innerhalb der Firmengruppe. „Heute greifen wir als mittelständische Unternehmensgruppe auf ein Team aus 50 hochmotivierten Mitarbeitern und Spezialisten zurück, welche im Kundenauftrag anspruchsvollste High-Tech-Produkte entstehen lassen“, fasst Ingmar Troniarsky zusammen.

Roboter schenkt Kaffee aus

Nicht nur ein Gag ist ein Roboter, der bei der Messe Motek eine Tasse in einen Kaffeeautomaten stellte, um dann den Besuchern das frischgebrühte Getränk zu servieren. Das Besondere an ihm ist, dass er sich nach kurzer Anlernzeit auch von Nichtinformatikern über ein frei bedienbares Touchpanel programmieren lässt. Hinzu kommt, dass er „umhausungsfrei“ ist, das heißt, er kann und darf sich im Gegensatz zu typischen Industrierobotern frei bewegen. „Unser Roboter zeigt, wie sich neue Einsatzbereiche für die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine erschließen lassen“, erläutert Troniarsky.

itronic.de

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart / Astrid Schlupp-Melchinger