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Im Visier

Das Polizeimuseum in Stuttgart führt durch eine bewegte Geschichte

Originalgetreu eingerichtete Wache im Stil der 1960er-Jahre (Bild: Polizeimuseum Stuttgart)

Originalgetreu eingerichtete Wache im Stil der 1960-er Jahre (Bild: Polizeimuseum Stuttgart)

Uniformen der Polizei vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart (Bild: Polizeimuseum Stuttgart)

Uniformen der Polizei vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart (Bild: Polizeimuseum Stuttgart)

Stuttgarter RAF-Geschichte (Bild: Polizeimuseum Stuttgart)

Stuttgarter RAF-Geschichte (Bild: Polizeimuseum Stuttgart)

01.07.2015 | 

Das Krimi-Format Tatort erfreut sich großer Beliebtheit bei den deutschen Fernsehzuschauern. Jeden Sonntagabend läuft es in Millionen von Wohnzimmern. Wer sich hinter der Mattscheibe hervorwagt, kann mit spannenden Stuttgarter Kriminalfällen auf Tuchfühlung gehen. Im früheren Archiv und Lager des Stuttgarter Polizeipräsidiums auf dem Pragsattel sind im Frühjahr 2015 auf einer 220 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche Themeninseln entstanden, die zu einer Zeitreise in die Polizeigeschichte der Stadt einladen. Historische Bild-, Film- und Tondokumente, wie etwa der aufgenommene Funkverkehr zu einem Polizistenmord in Stuttgart-Gaisburg 1989, erwecken die einzelnen Ausstellungsstationen zum Leben.
Im Verkehrsraum steht eine originale Verkehrsampelanlage von 1939, die die Beamten damals noch händisch schalteten. Daneben lässt sich eine in einer Mülltonne versteckte Radarfalle bestaunen. Das Kuriose: Sie kam wegen einem Aufruhr in der Presse nie zum Einsatz.

Spektakuläre Kriminalfälle gibt es im nächsten Raum zu sehen. Der Fall des berühmten Kunstfälschers Konrad Kujau, der Hitlertagebücher fälschte und an einen Star-Reporter vom Stern verkaufte, ist ebenso aufbereitet wie der grausame Zementmord von 2007. Ein Betonstück aus der Mülltonne, in dem die Mörder ihr Opfer zu verschwinden lassen versuchten, ist nun Museumsexponat.

„Beim Tatort, den man im Fernsehen sieht, stimmt nur das Nummerntäfelchen vor der Leiche, aber in der Realität geht es nicht so schnell mit der Spurensicherung“, erklärt Michael Kühner, der als erster Vorsitzender des Polizeihistorischen Vereins mit zwei anderen Kollegen in ehrenamtlicher Arbeit das Museum aufgebaut hat und Interessierte in einer knappen Stunde durch die bewegte Stuttgarter Polizeigeschichte führt.
Ein besonderer geschichtlicher Schwerpunkt wird im Museum auf die RAF-Geschichte und die Rolle der Stuttgarter Polizei im Nationalsozialismus gelegt. „Die RAF war die beste Gewerkschaft der Polizei. Wegen der Terrorgefahr wurde massiv aufgerüstet“, sagt Kühner.

 Wie sich die Uniformen der Polizei vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart gewandelt haben und welche Waffen die früheren Wachtmeister und modernen „Dienstleister für Sicherheit“, wie Kühner die heutigen Polizisten nennt, bei sich haben, lässt sich in hell erleuchteten Vitrinen begutachten. „Nicht eine Lizenz zum Töten, sondern ultima ratio sei die Waffe für Polizisten“, so der ehemalige Leitende Kriminaldirektor. Mit Eindrücken, die von spannend über ulkig bis schockierend reichen, gelangt man am Ende der Museumsführung schließlich in eine originalgetreu eingerichtete Wache im Stil der 1960er-Jahre. Von den ehemals 21 Polizeirevieren in Stuttgart sind heute acht verblieben.

www.polizeimuseum-stuttgart.de

Quelle: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) / Leonie Rörich