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"Geld verdienen lässt sich auch ökologisch korrekt"

Weltweit gefragter Hersteller von Bio-Textilien: Baumwollweberei Gebrüder Elmer & Zweifel aus Bempflingen

Bettwäsche aus fair produzierter Baumwolle.

Bettwäsche aus fair produzierter Baumwolle.

25.06.2013 | 

Die Elmer & Zweifel GmbH & Co. KG aus Bempflingen in der Region Stuttgart produziert Bett-, Bad- und Babywäsche aus 100 Prozent biologisch hergestellter und fair gehandelter Baumwolle. Die Textilien, die unter der Marke Cotonea vertrieben werden, entsprechen den weltweit strengsten Bio-Richtlinien des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft, IVN. Damit gehört das Familienunternehmen zu den wenigen Herstellern weltweit, die mit diesem Öko-Siegel werben dürfen. Vom Anbau über das Spinnen, Weben, Veredeln bis zur Konfektionierung wird durchgängig umweltschonend und sozialverträglich produziert. Die Textilien sind langlebig; Vertragspartnerschaften mit Bio-Baumwollprojekten in Kirgistan und Uganda garantieren höchsten Materialstandard.

Baumwolle in Bio-Qualität ist eine knappe Ressource. Gerade einmal 0,9 Prozent der Welt-Bauwollernte stammen aus biologischem Anbau. Noch geringer ist der Anteil der fair gehandelten Bio-Baumwolle. Das sehr strenge Öko-Label IVN Best des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft erhalten lediglich 0,01 Prozent aller Baumwolltextilien - 2.000 Tonnen pro Jahr. Es kennzeichnet Textilien aus Naturfasern, die nach höchsten Standards umweltschonend und sozialverträglich produziert wurden - vom Anbau über das Spinnen, Weben und Veredeln bis zum Konfektionieren.

Die Elmer & Zweifel GmbH & Co. KG aus Bempflingen in der Region Stuttgart zählt zu den wenigen Herstellern weltweit, die mit diesem Gütesiegel für ihre Textilien werben dürfen. Es wird von Bundesverband der Verbraucherzentralen, vom Bundesverband der Verbraucherinitiative e. V., von Greenpeace und vom Nachhaltigkeitsrat der deutschen Bundesregierung ausdrücklich empfohlen. Der Bio-Baumwollanbau der Elmer & Zweifel GmbH & Co. KG für ihre Bett- und Babypflegetextilien, Frottierwaren, Bademäntel, Kissen, Steppdecken, Blusen und Hemden verzichtet ganz auf chemisch-synthetische Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, bedenkliche oder giftige Substanzen und gentechnisch verändertes Saatgut.

"Die Baumwolle, die wir für unsere Marke Cotonea verwenden, ist absolut unbedenklich und auch für Allergiker bestens geeignet", erklärt Roland Stelzer, Geschäftsführender Gesellschafter des 1855 gegründeten Familienunternehmens. Neben dem ökologischen Anbau gehören auch Umweltverträglichkeit und soziale Verantwortung zu den Maximen des Unternehmens. "Wir legen großen Wert auf Gesundheitsbewusstsein und die Sicherheit, dass weder Mensch noch Tier noch Natur bei der Herstellung unserer Textilien ausgebeutet werden dürfen", so Roland Stelzer. "Deshalb kennen wir den Weg unserer Baumwolle vom Feld auf den landwirtschaftlichen Projekten vor Ort bis zur Konfektion."

Expansion im bitterarmen Württemberg

Das war nicht immer so. Die erste Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau verarbeitete Elmer & Zweifel im Jahr 1995. Wie viele andere Textilunternehmen waren Elmer & Zweifel lange Zeit Vollsortimenter. Zu den Textilien kamen Gewebe für medizinische und technische Zwecke. Das erforderliche umfangreiche Wissen erwarben die Bempflinger im Laufe von fast zwei Jahrhunderten.

Die Brüder Friedrich und Heinrich Elmer, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Schweizerischen Kanton Glarus nach Württemberg auswanderten und in Bempflingen einen neuen Standort für ihre Textilfabrik mit Spinnerei und Weberei gründeten, kannten sich mit industriell hergestellten Textilien bestens aus. Sie wussten auch, dass sie im bitterarmen Württemberg, wo nach Aufhebung der Kontinentalsperre von 1814 große wirtschaftliche Not herrschte, genügend Arbeiter und reichlich Wasser für die textile Industrie vorfinden würden. Und tatkräftige Investoren waren hier hoch willkommen. Von Beginn an wurde Baumwolle zu verschiedensten Geweben verarbeitet.

Nach dem Fall der Berliner Mauer, der Öffnung der osteuropäischen Märkte und der drohenden Gefahr durch Billiglohn-Konkurrenten musste Elmer & Zweifel radikal umdenken, um nicht gegen die Wand zu fahren. "Als ich 1990 das Unternehmen in sechster Generation übernahm, war mir bewusst, dass ich es den neuen Rahmenbedingungen würde anpassen müssen", berichtet Roland Stelzer über den schwierigen Neuanfang. "Ich hatte die Idee, fortan in biologisch hergestellte Baumwolle zu investieren, dazu musste ich aber leider die Mitarbeiterzahl etwas reduzieren und neue Rohstoffpartner suchen."

Ökologisch, menschlich, fair

Im Unterschied zu allen anderen Herstellungsschritten, die grundsätzlich in eigenen oder in Partnerunternehmen erfolgen, kam die erste Bio-Baumwolle nicht aus einem Projekt, an dem Elmer & Zweifel beteiligt waren. Das änderte sich erst im Jahr 2004 mit der Einführung der Marke Cotonea und den Vertragspartnerschaften mit Bio-Baumwollprojekten in Kirgistan und Uganda. "Dort hat der Bio-Baumwollanbau einen besonders hohen Standard, zudem kontrollieren wir durchgängig die gesamte Herstellungskette", sagt Roland Stelzer. "Dadurch erhalten wir Baumwolle, bei der wir sicher sein können, dass sie den Vorschriften für reine Bio-Baumwolle entspricht." Baumwolle produzierende Länder wie Indien oder die Türkei kommen für den Chef als Lieferanten nicht Frage: "Dort sehe ich meine Anforderungen an biologisch angebaute Baumwolle in keinster Weise erfüllt."

Um der Gefahr des Auslaugens der Böden vorzubeugen, wird in Kirgistan und Uganda beim Anbau der Cotonea-Bio-Baumwolle das Wirtschaften in Monokulturen vermieden. Da die Bio-Baumwollernte von Hand erfolgt, wird eine höhere Qualität als bei der maschinellen Ernte erzielt. Durch die Abnahmegarantie werden die finanzielle Sicherheit und das Selbstwertgefühl der Bauern vor Ort gestärkt - durchschnittlich leben zehn Familienmitglieder vom Einkommen eines Baumwollbauern. "Wir halten unsere Bauern auch dazu an, Saatgutentwicklung zu betreiben, denn nur die Baumwolle, die an die Böden und an die klimatischen Bedingungen der jeweiligen Anbauregion angepasst ist, ermöglicht gute Ernteerträge. Gleichzeitig bleibt die genetische Vielfalt erhalten ", erklärt Johannes Brenner, der den Vertrieb bei Elmer & Zweifel leitet. "Über die Folgen des Einsatzes genmanipulierten Saatguts ohne jede Diversität wird immer noch viel zu wenig gesprochen."

Der lange Weg vom Samen zur Bettwäsche

Knapp 1.000 Tonnen Bio-Baumwolle im Jahr verarbeiten Elmer & Zweifel für Cotonea-Textilien. Nur ein Drittel einer Ernte besteht aus nutzbaren Fasern, der Rest sind Samen und Kapseln, die als Öl oder Futtermittel genutzt werden. Aus den Baumwollfasern werden in der Spinnerei Garne gesponnen. In der Cotonea-Weberei bei Nachód in Tschechien werden sie zu Gazen, leichten Kattunen, edlen Satins, feinfädigen Popelins oder schweren Flanell- und Moltongeweben verarbeitet. Veredelt werden sie ausschließlich in Deutschland oder in der Schweiz, wo sichergestellt ist, dass die strengen IVN Best Richtlinien eingehalten werden. Die Konfektion erfolgt wiederum in Tschechien, in eigenen Betrieben und bei Zulieferern, die fast ausschließlich für Cotonea arbeiten. "Der enge Kontakt und die hohe Flexibilität der Nähereien ermöglichen die Herstellung auch kleiner Auflagen in kurzer Zeit", so Johannes Brenner.

Das Stammwerk in Bempflingen, in dem 30 Mitarbeiter beschäftigt sind und das den gesamten Herstellungsprozess steuert, übernimmt auch den Versand der Bettwäsche, Handtücher, Babypflegetextilien, T-Shirts, Polos, Hemden und Blusen, die biologisch, fair und gesundheitlich unbedenklich sind. Sie werden über den klassischen Facheinzelhandel wie Bettenfachgeschäfte, Raumausstatter, mittelständische Möbelhändler und Naturwarenfachhändler vertrieben.

Die Kunden stammen überwiegend aus Europa, doch zunehmend schwören auch Amerikaner, Russen und Japaner auf Cotonea-Textilien, die seit kurzem auch über den eigenen Online-Shop zu beziehen sind. "Unsere Produkte sind nicht teurer als vergleichbare, aber qualitativ viel besser und langlebiger", sagt Roland Stelzer. "Mit dieser Philosophie wollen wir den Fortbestand des Unternehmens sichern. Nachhaltigkeit, die wir nicht ideologisch, sondern rein fachlich erreicht haben und Wirtschaftlichkeit schließen sich nämlich überhaupt nicht aus."