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Dick war nicht doof

Die Hochschule Esslingen: eine spannende Geschichte mit Happy End - dieses Jahr wird gefeiert

Hightech statt Winterschule (Foto: HS Esslingen)

Hightech statt Winterschule (Foto: HS Esslingen)

11.03.2014 | 

Die Hochschule Esslingen wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Von März bis Oktober 2014 laden viele interessante Veranstaltungen dazu ein, mehr über diese Bereicherung für Esslingen zu erfahren. Neben hochschuleigenen Veranstaltungen erwarten die Besucher auch zahlreiche interessante Kooperationsprojekte mit städtischen Einrichtungen sowie der Universität Tübingen.

Wurzeln in Stuttgart

Die Hochschule Esslingen blickt auf eine ebenso bewegte wie traditionsreiche Geschichte zurück. Ihre Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ihre Vorläuferin war die Winterschule für Bauhandwerker, die 1832 in Stuttgart gegründet wurde. Es war die erste Initiative, um eine Region, die von Landwirtschaft und Handwerk geprägt war, auf die voranschreitende Industrialisierung vorzubereiten. Ohne gut ausgebildete Fachkräfte ist wirtschaftlicher Erfolg nicht machbar. Das galt damals wie heute. Im Oktober 1914 schlug die Geburtsstunde der heutigen Hochschule Esslingen, als der Fachbereich der Maschinentechniker aus der mittlerweilen Königlichen Baugewerkschule nach Esslingen verlegt wurde. Die Baugewerkeschulen dieser Zeit gelten allgemein Vorläufer heutiger Fachhochschulen, da sie deutlich praxisorientierter angelegt waren als die klassischen Universitäten. Der Bezug auf das Tun macht bis heute den Ruf der Hochschule Esslingen aus. Wer hier studiert, hat allerbeste Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden. Die technikorientierten Unternehmen aus der Region Stuttgart strecken frühzeitig ihre Fühler nach den Absolventen aus.

Zähes Ringen um den Standort

Einem Unternehmer ist es insbesondere zu verdanken, dass die ursprüngliche Fachschule für Maschinentechniker in Esslingen heimisch wurde. Die Stadt wie auch zahlreiche Esslinger Bürger kämpften um akademische Weihen - dem gingen jahrelange zähe Verhandlungen voraus. Der Fabrikant Paul F. Dick, der bereits ab 1910 die Verlegung der Maschinenbauschule von Stuttgart nach Esslingen gefordert hatte, brachte dabei die entscheidenden Impulse und gilt als Wegbereiter des Umzugs. Sein Name ist in Esslingen Programm. Der ehemalige Standort, das Dick-Areal hat sich zum Vergnügungszentrum gemausert, zieht abends scharenweise Besucher an. Die Firma Friedrich Dick gibt es übrigens immer noch. Sie ist mittlerweile in Deizisau beheimatet und liefert Messer, Feilen und Spezialwerkzeuge an qualitätsbewusste Kunden.

Expansion zur Hochschule

Was 1914 mit der klassischen Ingenieurausbildung, dem Maschinenbau begann, zog bald weitere Fachbereiche an, wie die Feinwerk-, Elektro- und Nachrichtentechnik, während der NS-Zeit auch Flugzeugtechnik, die später eingestellt wurde. Informationstechnologie, Fahrzeug- und Gebäudetechnik, aber auch Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaft kamen hinzu, später noch die Naturwissenschaften. 1971 wurde aus der Ingenieurschule die Fachhochschule für Technik. Zu dieser Zeit entstand aus der Sozialen Frauenfachschule in Stuttgart die Fachhochschule für Sozialarbeit und die Fachhochschule für Sozialpädagogik. Drei Jahre später wurden zwei soziale Fachschulen aus Stuttgart als Fachhochschule für Sozialwesen nach Esslingen eingegliedert. 2006 ging dann aus der Fusion beider Fachhochschulen die Hochschule Esslingen hervor.

Drei Standorte und 6000 Studierende

Heute ist die Hochschule mit weiteren Fachbereichen auch an zwei Standorten in Esslingen verankert. In Göppingen haben die Fachbereiche Elektrotechnik und Mechatronik sowie Wirtschaftsingenieurwesen ihren ihren Platz gefunden. Mehr als 6.000 Studierende haben sich derzeit eingeschrieben. Die Hochschule bietet an insgesamt 11 Fakultäten 35 verschiedene Studiengänge an. 50 Partnerhochschulen in aller Welt sorgen dafür, dass die Lernwilligen nicht im eigenen Saft köcheln. Familienfreundlichkeit steht hoch im Kurs und ist zertifiziert. Eine entsprechende Personalpolitik und ebensolche Studienbedingungen erleichtern es allen Beteiligten, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.

Gründer erhalten Unterstützung

Wer nach dem Studium damit liebäugelt, sein eigenes Unternehmen zu gründen, findet im Gründerstall tatkräftige Unterstützung. Renommierte Unternehmen und Institutionen sind eingetragene Partner der Hochschule. Sie bieten den Studierenden ein breites Angebot, von Praktika oder Bachelorarbeiten im Unternehmen bis hin zu Lehrbeauftragten, die aus der Praxis kommen und die Theorie mit praktischen Beispielen ergänzen. Die Hochschule Esslingen hat sich ebenfalls der Nachhaltigkeit verschrieben und das Studienzentrum für Nachhaltige Entwicklung (SNE) ins Leben gerufen. Umweltgesichtspunkte zusätzlich zu wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten berücksichtigt.

Es wird gefeiert

Die Mehrheit der Jubiläumsveranstaltungen richtet sich ganz bewusst an ein breites Publikum, wie die Vortragsreihe DenkenLernen zusammen mit der Volkshochsschule, einem Science Slam oder dem Experimentierfestival am Tag der offenen Tür. Sie zeigen, wie sehr die die Hochschule nicht allein in Esslingen, sondern in der gesamten Region verwurzelt ist. Ein Beleg dafür sind die zahlreichen Förderer und Partner aus dem In- und Ausland. Vor allem die Studierenden profitieren stark von diesen Partnerschaften: ein großes Angebot an Praktikaplätzen; die Möglichkeit, die Bachelorarbeit gleich in einem Unternehmen in die Praxis umzusetzen oder die Möglichkeit eines Doppelabschlusses.

Hochschule als mustergültiges Beispiel

Zwei Jubiläumsprojekte beleuchten die Geschichte der Hochschule Esslingen aus wissenschaftlicher Perspektive. Eine Masterarbeit untersucht die Hochschule im Spannungsfeld zwischen Bildung, Politik und Industrie. Sie bilanziert, dass die Esslinger Hochschule den großen Bedarf an qualitativ und praxisnah ausgebildeten Ingenieuren in hohem Maß erfüllt. So trägt sie ihren Anteil dazu bei, dass die Region Stuttgart zu den weltweit stärksten Wirtschaftsräumen gehört. Die Hochschule Esslingen sei "ein mustergültiges Beispiel für eine fruchtbare Kooperation zwischen Industrie, Politik und Schulwesen."

http://www.hs-esslingen.de/de/hochschule/profil/geschichte/jubilaeum-2014/jubilaeumsprogramm.html

Quelle: Hochschule Esslingen