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Alles im Griff

Europäische und internationale Automarken lassen nur Schalter und Sensoren von Hartmann-exact aus Schorndorf unter das glänzende Blech

10.02.2014 | 

So kann's gehen. Da fängt ein junger Unternehmer damit an, Bügel und Griffe für Damenhandtaschen zu fertigen und landet irgendwann bei elektrotechnischen Wunderwerken, die auf Knopfdruck einen Griff unnötig machen – wenn man beispielsweise sein Cabrioverdeck schließen möchte. Das Unternehmen Hartmann-exact aus Schorndorf liefert seit knapp sieben Jahrzehnten wichtige Bausteine für das automobile Innenleben und spielt schon lange in der Spitzenklasse der Automobilzulieferer. Sämtliche europäischen und weitere internationale Automarken lassen nur Schalter und Sensoren von Hartmann-exact unter das glänzende Blech.

Neben Frech und Catalent gehört Hartmann-exact zu den drei größten produzierenden Betrieben in der Geburtsstadt von Gottlieb Daimler. Gegründet wurde das Unternehmen von Eduard Hartmann 1936 in der der Nähe von Darmstadt und zog mitten im Krieg nach Schorndorf um. Das Unternehmen hat sich auf berührungslose Positionssensoren und mechatronische Elemente spezialisiert. Damit beliefert Hartmann-exact alle großen europäischen Automobilhersteller.

Sensoren für alle Fälle

Eine besonders erfolgreiche Entwicklung des innovativen Unternehmens ist ein Sensor, der in Start-Stopp-Systemen eingesetzt wird. Steht das Auto an einer roten Ampel, schaltet sich der Motor aus. Sobald der Fahrer wieder Gas gibt, springt er an. Weil der Sensor deutlich günstiger zu bauen ist als das Vorgängermodell, wurde das Unternehmen für diesen neuen Entwicklungsschritt 2010 mit dem Innovationspreis Rems-Murr ausgezeichnet. „Unsere Innovationen werden immer gemeinsam im Team entwickelt“, erklärt Entwicklungschef Mojtaba Moini.

1945 begann bei Hartmann-exact der Einstieg in die Elektrotechnik mit dem ersten Mikroschalter mit Magnetschnappsystem. Seit Mitte der 1960-er Jahre, nachdem Kurt Hartmann, der Sohn des Firmengründers, die Geschäftsführung übernimmt, konzentriert sich das Unternehmen auf den goldenen Markt, der rund um die Automobilindustrie entstanden ist. Als die dritte Hartmann-Generation im Jahr 2000 das Unternehmen in neue Hände legte, begann bei Hartmann-exact das Zeitalter der Sensorik und Elektronik.

Automobilbranche als Innovationstreiber

Verfolgt man den Automobilbau von Daimlers Motorkutsche bis zu den heutigen Boliden, so ist es bei der Entwicklung immer wieder zu Quantensprüngen gekommen. Mittelständische Betriebe wie Hartmann haben daran einen großen Anteil. Das bedeutet zum einen, ständig mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt zu halten, zum anderen, dass "das Fahren komfortabler und sicherer gemacht wurde", fasst Jürgen Hofele, kaufmännischer Geschäftsführer, das Ergebnis zusammen.

Die Sensoren aus Schorndorf machen sich in den unterschiedlichsten Bereichen nützlich. Cabriofahrer können sitzen bleiben, wenn sie das Verdeck schließen. Näher am Asphalt regulieren Fahrwerkssensoren die Leuchtweite von Frontscheinwerfern und regeln die Dämpfung. Mit einem jährlichen Produktionsvolumen von mehreren Millionen Stück ist Hartmann weltweit ein führender Anbieter dieses Sensorentyps. Andere Sensoren tun in den Vordersitzen ihren Dienst. Sie liefern wichtige Informationen für die Steuerung der Airbags. Im Bereich berührungsloser Positionserkennungssysteme für Sitze ist das Unternehmen europaweit führend.

Millionenfach im Einsatz

"Wichtig ist, wir sind nah dran an unseren Kunden und ständig im Austausch“, sagt Dietmar Oeser, Geschäftsführer Technik und Vertrieb. Umgekehrt bietet das Unternehmen auch Deaktivierungsschalter für Airbags an, wenn etwa eine Babysitzschale auf dem Beifahrersitz angegurtet wird. Und wenn es laut piepst, weil sich Fahrer oder Mitfahrer nicht angegurtet haben, dann hat auch hier meist Hartmann-exact die Finger im Spiel. Die Sensoren aus Schorndorf sind millionenfach in der ganzen Welt im Einsatz. Seit einem Jahr hat Hartmann-exact mit der Swoboda-Gruppe, ebenfalls ein traditionelles Familienunternehmen, eine 100-prozentige Schwestergesellschaft. Beide ergänzen sich ideal und Hartmann-exact bleibt weiter im Remstal verwurzelt und hat nun zusätzlich eine weltweite Präsenz mit acht Werken in fünf Ländern auf drei Kontinenten.

Während Swoboda Gehäuse und hochpräzise Metall-Kunststoff-Komponenten für die Automobilelektronik liefert, punktet Hartmann-exact als anerkannter Entwicklungslieferant. Rund 200 Mitarbeiter stehen in Schorndorf in Lohn und Brot. Allein 100 Ingenieure umfasst die schlagkräftige Entwicklungsmannschaft. Ohne sie gäbe es keine marktfähigen Produkte. “Denn ohne Innovationen geht es nicht voran”, weiß Entwicklungsleiter Moini.

Neue Herausforderung E-Mobilität

Dazu kommen noch "Fleiß und Flexibilität – das sind die Zutaten, mit denen wir erfolgreich sind", sagt Firmeninhaber Matthias Groth. Neue Herausforderungen stehen vor der Tür, denen sich auch die Konstrukteure von Hartmann-exact stellen müssen: Hybrid-Fahrzeuge und Elektroautos. Kein Wunder, dass das erfolgreiche Unternehmen ständig auf der Suche nach Fachkräften in den unterschiedlichsten Bereichen ist und auch ausbildet. Studierende haben die Möglichkeit, durch Abschlussarbeiten und Praktika in das Unternehmen hineinzuschnuppern.